Rede von Monique Troedel, Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, zum Antrag, den 8. März in Bremen zum Feiertag zu erklären
Der 8.März ist Weltfrauen-Tag. Diesen internationalen Tag zum Feiertag zu erklären, hat mehr als hohe symbolische Bedeutung. Er ist auch Mahnung für noch nicht erreichte Gleichstellung.
Bremen ist stolz darauf, den 8. März als erstes Bundesland seiner Bedeutung entsprechend anzuerkennen.
Der Internationale Frauentag ist der Tag, an dem Frauen seit fast hundert Jahren weltweit ihr Recht auf Gleichberechtigung einfordern. Er ist das Sinnbild der Anmahnung von Frauenrechten und Ermutigung zum solidarischen Handeln zugleich. Ermutigung zur Gegenwehr auch gegen Gewalt, häuslicher Gewalt, sexueller Belästigung und Vergewaltigung.
Frauen mahnen an, dass ihnen immer noch die gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft verwehrt wird. Denn: „’Geschlecht’ ist ein sozialer Platzanweiser, der Frauen und Männer ihren Ort in der Gesellschaft, ihren Status, ihrer Lebenschancen zuweist.“ 1Und dieser Ort ist für Frauen enger als für Männer.
Obwohl Frauen die besseren Schulabschlüsse haben, verdienen sie im Schnitt 23 Prozent weniger Geld, in Bremen sogar 26 Prozent; sie führen weniger Betriebe, leiten weniger Redaktionen und besetzen weniger Professuren. Sie sind in der Politik unterrepräsentiert und wirken dadurch weniger an Gesetzen mit. Das hat gravierende Auswirkungen für Frauen.
In der aktuellen wirtschaftlichen Situation mit hoher Erwerbslosigkeit wird deutlich, dass wieder auf die tradierten Rollenbilder zurückgegriffen wird - vom männlichen Familienernährer mit der abhängigen Hausfrau. Die eigenständige Existenzsicherung wird Frauen aberkannt.
Frauen vorbehalten sind die „Mini-Jobs“, also sozialversicherungsfreie berufliche Tätigkeit, vorwiegend in „haushalts- und pflegenahen“ Jobs. Die sogenannte „stille Reserve“ soll nach dieser Vorstellung in Schulen, Kindergärten, Haushalten und Seniorenheimen eingesetzt werden. Das geht einher mit der Zunahme des Ehrenamtes.
Langzeiterwerbslosigkeit betrifft Frauen stärker. Dazu kommt, dass weibliche Altersarmut durch Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften gesetzlich vorprogrammiert ist.
In gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Krisenzeiten sind die Frauen die Hauptleittragenden. Das lehrt uns die Geschichte.
Eine der großen verpassten Chancen der Frauen waren die Zeiten nach 1945. Die Frauen hatten davor zusätzlich die Aufgaben der Männer übernommen. Als diese aus dem Krieg zurückkamen, ließen sich die Frauen aus Liebe, Fürsorge und gelerntem Rollenverständnis wieder aus dem öffentlichem Leben drängen. Es stimmt: Die Geduld der Frauen ist die Stärke der Männer!
Die Geschichte des Frauentages, die Errungenschaften der Frauenbewegung und die Leistungen vieler deutscher, auch Bremer Frauenrechtlerinnen (zum Beispiel Auguste Kirchhoff, Agnes Heineken, Anna Stiegler und Käte Popall) verdienen es, durch einen Feiertag gewürdigt zu werden.
Als historische Wurzel für die Entstehung des 8. März gelten die Proteste New Yorker Arbeiterinnen, die erstmals 1857 auf die Straße gingen und gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und für gleichen Lohn demonstrierten. Fünfzig Jahre später, am 8. März 1908, traten Tabak- und Textilarbeiterinnen in den Streik und protestierten für bessere Arbeitsbedingungen, für ein Frauenwahlrecht, für kürzere Arbeitszeiten und höhere Löhne. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin brachte auf der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz 1910 den Antrag ein, einen internationalen Frauentag ins Leben zu rufen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Am 8. März 1917 streikten in St. Petersburg Textilarbeiterinnen. In Erinnerung daran setzte 1921 die 2. Internationale Konferenz der Kommunistinnen den 8. März als einheitliches Datum für den Internationalen Frauentag fest. Seit 1975 wird der 8. März offiziell von der UNO als internationaler Frauentag gewürdigt.
Der internationale Frauentag ist ein Tag der Menschenrechte. Wo die Grundrechte für Frauen und Mädchen verwirklicht sind, geht es auch den Männern und Jungen besser: Auch sie werden durch das aktuelle Männerbild und zum Beispiel das Fehlen von Männern in der Kindheit in ihren Fähigkeiten eingeengt. Der Schlüssel für die Auflösung tradierter Rollen ist die Gleichberechtigung der Frauen. Gleichberechtigt lebt die Gesellschaft friedlicher, fortschrittlicher und freiheitlicher zusammen. Die Freie und Hansestadt Bremen setzt mit der Novellierung ihres Landesfeiertagsgesetzes ein weltoffenes und emanzipatorisches Zeichen.
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